My Playlist XVII: Once & Future Band

Von Möbel bis Motorräder ist retro ja gerade wieder schwer In. Offenbar gilt das auch für Mucke, auch wenn der Mainstream gerade wieder Richtung Elektropop driftet. Wie langweilig der aktuelle Radio-Brei ist, zeigt der Vergleich mit einer Nummer wie Once & Future Band. Die ömmeln auf ihrem Debütalbum von 2017 einmal durch die Popgeschichte ab 1960 von Beat über Steely Dan, den Psychodelic Rock der frühen Yes, die Cannabis-schweren Harmonieteppiche der frühen Pink Floyd bis hin zum Indy-Britpop – aber dermaßen gut, dass die Summe der Zitate in sich schon wieder neu ist. Ankerpunkt sind die Schrägheiten der Siebziger – fraglos ein unerschöpflicher Steinbruch innovativer Klänge.

Man höre sich da mal „Hide & Seek“ an (meine Lieblingsnummer von denen): In 6 Minuten 18 (!!!) geht es da erst Britpoppig a la Athlete hinein in ein vermeintlich harmloses Liebeslied – Uhuuu-Chor inklusive. Schnell bricht da aber was: Der Rythmus erlaubt sich, elegant zu stolpern. Die Gitarre klingt jetzt wie Walter Becker oder Randy Bachmann auf den Jazz-Nummern der BTO, und dann dudelt uns auch das satte Keyboard zunehmend jazzige Harmoniewechsel um die Ohren.

Im furiosen letzten Drittel setzt die Band dann grenzwertig-zuckersüße Harmoniegesänge auf oder gegen ein sich ständig steigerndes Instrumentalfinale, das an Zappas Garage-Zeiten oder Becker/Fagan Live erinnert – Yo, Mama, denkt man da, Ihr habt Eure Vorbilder echt begriffen und gefressen!

Tipp: Laut hören, erst dann kommt es richtig rüber.

Demokratieverständnis(problem)

SPD und CDU so: „Im Bundestag und in allen von ihm beschickten Gremien stimmen die Koalitionsfraktionen einheitlich ab. Das gilt auch für Fragen, die nicht Gegenstand der vereinbarten Politik sind.“
 
Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 38, Absatz 1 so: „Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“
 
Beißt sich da nicht was?
 
Übersetzt heißt die SPD-CDU-Vereinbarung doch: Abgeordnete, Verstand und Gewissen bitte an der Garderobe abgeben, abgestimmt wird nach Plan.
 
Ich weiß, dass das Business as usual ist.
Es ist aber auch ein Schwachsinn, der das Parlament seit Jahren enteiert und Begeisterung für Politik unfassbar schwer macht. Die sollte in Debatten geformt werden, und nicht in geschlossenen Koalitionsrunden und nichtöffentlichen Ausschüssen.
 
Das beste an einer Minderheitsregierung wäre gewesen, dass die nur funktioniert hätte, wenn die Abgeordneten ihr Stimmverhalten am Geist des Grundgesetzes ausgerichtet hätten, statt an Parteiräson, Fraktions- oder Koalitionszwang. Ich empfinde diese Prinzipien als zutiefst undemokratisch und die Praxis, so etwas sogar vorab fest zu vereinbaren, als skandalös. Traurig.